
Schloss Johannisberg – Die Wiege der Spätlese
Schloss Johannisberg im Rheingau gehört zu den traditionsreichsten Weingütern Deutschlands und gilt als eines der bedeutendsten Riesling-Weingüter der Welt. Bereits seit dem Mittelalter wird an diesem besonderen Ort Wein angebaut. Eine entscheidende Wende kam im Jahr 1720: Die gesamte Domäne wurde mit Riesling bepflanzt. Damit entstand der erste geschlossene Riesling-Weinberg der Welt.
Die wohl berühmteste Episode der Geschichte ereignete sich 1775. Die offizielle Erlaubnis zur Weinlese aus Fulda verspätete sich um rund zwei Wochen. In dieser Zeit entwickelten sich die bereits reifen Trauben weiter und wurden teilweise von der Edelfäule Botrytis befallen. Trotz anfänglicher Skepsis wurden sie gelesen – mit überraschendem Ergebnis. Der daraus entstandene Wein war außergewöhnlich konzentriert und aromatisch. Die Spätlese war geboren. Bis heute erinnert die „Grünlack Spätlese“ an dieses historische Ereignis.
Das Herzstück des Gutes ist der rund 50 Hektar große Johannisberg, ein nach Süden ausgerichteter Quarzit-Hang mit einer Neigung von bis zu 45 Grad. Der Weinberg reicht bis auf 182 Meter Höhe und liegt unmittelbar am 50. Breitengrad. Die Kombination aus Sonneneinstrahlung, kühlen Nächten und den besonderen Böden schafft ideale Bedingungen für ausdrucksstarken Riesling.
Eine weitere Besonderheit ist die Bibliotheca Subterranea im historischen Keller. Dort lagern mehr als 25.000 Flaschen, darunter Weine, die über Jahrzehnte und teilweise Jahrhunderte gereift sind. Der älteste Wein stammt aus dem Jahr 1748.
Schloss Johannisberg verbindet damit über 1.200 Jahre Weinbaugeschichte mit einer klaren Leidenschaft für Riesling – und steht wie kaum ein anderer Ort für die Entwicklung der deutschen Weinkultur.
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